Sammlung

Die Sammlung umfasst heute einen Bestand von ca. 40.000 Bilddokumenten und Objekten zur Geschichte und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart. Sie zeigt sich mittlerweile als ein breitgefächerter Fundus an Bildquellen: Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik, Photographien, plastische Werke, Modelle, Bildpostkarten, Numismatika, deren Grundstock die bedeutende Münzen- und Medaillensammlung Christian Langes bildet, und Militaria wie z.B. Uniformen, Waffen oder Fahnen aus den Tagen der „Erhebung“ und des Krieges von 1864.

Von Anfang an lagen die Schwerpunkte auf den Sammlungsgebieten Portrait, Ereignisbild und Ortsansicht. Sie geben der Sammlung noch heute ein deutliches Profil. Diese traditionellen Bereiche mit traditionellen künstlerischen Medien wurden im Laufe der Jahrzehnte um neuere Sammlungsfelder mit modernen Bildmedien, u. a. historische Bildpostkarten oder dokumentarische und künstlerische Fotografie, erweitert.

Helene Asher, Bildnis Margarethe von der Leyen, später Frau des Kieler Altphilologen Felix Jacoby; Ölgemälde, 1900

Helene Asher, Bildnis Margarethe von der Leyen, später Frau des Kieler Altphilologen Felix Jacoby; Ölgemälde, 1900

Die Portraitsammlung ist hierzulande die größte, stetig ergänzte und am breitesten angelegte Bildnisgalerie. Sie reicht von Portraitkupfern aus der Rantzau-Zeit, barocken Herrscherportraits in Öl über gemalte bürgerliche Portraits oder solche in vervielfältigenden Techniken und Photos bis zu fotografischen Aufnahmen aus der Zeitgeschichte. Diese „Landesgalerie“ verdienter, auch umstrittener Persönlichkeiten aus Ritterschaft, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Literatur zeugt von Geschichte, Entwicklung, Kultur und Geistesleben Schleswig-Holsteins.

Feier zur Gründung der Christian-Albrechts-Universität im Kieler Schloss 1665

Feier zur Gründung der Christian-Albrechts-Universität im Kieler Schloss 1665

Die reiche Sammlung historischer Ereignisbilder hat seit der Gründung ein besonderes Gewicht. Sie besteht aus überwiegend graphischen und photographischen Bildquellen zu „Events“ aus Marine, Militär, Politik, Gesellschaft, Arbeitsleben, Verkehr und Industrie, aus Kunst und Wissenschaft. Etliche Beispiele der Historienmalerei ergänzen den Bestand. Nahezu lückenlos ist das Geschehen der Schleswig-Holsteinischen Erhebung bildlich dokumentiert, oftmals in propagandistischen Darstellungen wie z. B. die Explosion des dänischen Linienschiffs „Christian VIII.“ am 5. April 1849 vor Eckernförde oder das „Gefecht bei Bau (Bov)“ am 9. April 1848, in dem die schleswig-holsteinische Armee eine empfindliche Niederlage erlitt.

Fritz Stoltenberg, Dorfstraße im Frühling, nach 1908; die einst ungetrübte Idylle von Barsbek

Fritz Stoltenberg, Dorfstraße im Frühling, nach 1908; die einst ungetrübte Idylle von Barsbek

Das dritte, von Anfang an ausgeprägte Sammelgebiet erfasst topographische Darstellungen, Veduten, Ortsansichten und Landschaftsbilder schleswig-holsteinischer Orte und Regionen, Panoramen wie Ausschnitte. Auch sie zeigen die ganze Spanne künstlerischer Techniken, von traditionellen Medien wie Zeichnung, Aquarell, Ölbild und Druckgraphik bis zu modernen Massenmedien wie Foto und Bildpostkarte. Kaum eine andere Bildgattung veranschaulicht Wandel und Entwicklung von Stadt, Land und Leuten in Schleswig-Holstein deutlicher als das Ansichtengenre. Viele Landschaftsgemälde und Landschaftszeichnungen hiesiger Künstler und Künstlerinnen von Rang und Namen in der Kunstgeschichte des Landes sind hier gesammelt worden, die fraglos die Sammlung über ihre historische Relevanz hinaus auch als Pflegestätte hiesiger Kunst ausrichten. Davon zeugen schleswig-holsteinische Landschaftsgemälde etwa von Berend Goos, Ernst Wolperding, Louis Gurlitt, Hans Peter Feddersen d. J., Hans Olde d. Ä. , Fritz Stoltenberg, Willi Langbein und Ernst Wöhlk, von Herta M. Lehment, Walther Kunau, Uwe Bangert und Michael Arp.

Tafel 33 mit den Gottorfer Herzögen aus:  Chr. Lange’s Sammlung schleswig-holsteinischer Münzen und Medaillen, Berlin 1908, Bd. I.

Tafel 33 mit den Gottorfer Herzögen aus: Chr. Lange’s Sammlung schleswig-holsteinischer Münzen und Medaillen, Berlin 1908, Bd. I.

Und noch Weiteres hält die Sammlung bereit: Münzen, Medaillen, Notgeld, Modelle, Dioramen, Künstlerbücher und plastische Arbeiten. Es ist vor allem die Münzsammlung von Christian Lange, die der gebürtige Schleswig-Holsteiner und in Berlin zu Erfolg und Vermögen gelangte Ingenieur 1907 und 1910/11 mitsamt einem gedruckten Katalog der Historischen Landeshalle schenkte. Die insgesamt 2435 Stück hoben den Bestand schlagartig auf ein hohes Niveau. Er zeigt Münzen und Medaillen der Könige, der Gottorfer und der Sonderburger Herzöge.

Die in Gold und Silber geprägte Historiographie Schleswig-Holsteins erfuhr 1983 mit dem Erwerb von 80 Medaillen aus der Regierungszeit der dänischen Könige des 17.- bis 19. Jahrhunderts eine bedeutende Erweiterung.

Majestätssiegel Friedrich III., Vorder- und Rückseite

Majestätssiegel Friedrich III., Vorder- und Rückseite

Ein Beispiel ist  das Majestätssiegel des Königs Friedrich III. (1648-1670) von Jeremias Hercules; Vorderseite: Friedrich III. im Herrscherornat auf einem Löwenthron. Die Umschriften zählen seine Herrschaftsgebiete auf. Rückseite: Dänisches Wappen mit Krone auf dem Danebrog-Kreuz, umgeben von vielen anderen Wappen.

„Aufgrund der Dichte ihrer Bestände darf die Landesgeschichtliche Sammlung den Anspruch erheben, die Aufgaben eines historischen Museums des Landes Schleswig-Holstein für die Jahrhunderte zwischen dem Ende des Mittelalters und dem Siegeszug der Technik und der Industrie zu erfüllen. Sie hat dabei den Vorteil, zugleich auch auf die Bücher, Zeitungen, Karten, Handschriften und Musikalien der übrigen Abteilungen der Landesbibliothek zurückgreifen zu können“, wie Dieter Lohmeier Charakter und Vorzüge der Sammlung zusammenfasst. Mit der nun unter dem jetzigen Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek Dr. Jens Ahlers laufenden Digitalisierung der Bestände der Landesgeschichtlichen Sammlung wird ihr Bildpotential auf moderner medialer Ebene erschlossen.

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